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Donnerstag, 14. Februar 2013

Happy Valentine! Bilder aus Islands Nordosten

(M)ein Herz schlägt für Húsavík!
... aber auch der Eyjafjörður ist liebenswert.


Hólar im Landstrich Eyjafjarðarsveit

Ampel in Akureyri

"Ást" heißt Liebe (Theaterhaus Húsavík)

Donnerstag, 31. Mai 2012

Schafe für die Ohren

In der DIAK-Radio-Sendung vom 17. November 2011 moderierte ich nicht, sondern war bei Wolfgang Wegner "Gast im Studio" zum Thema Island.

Im folgenden Ausschnitt erzählte ich ein bisschen vom Inhalt meines Islandkrimis "Schafe im Nebel" und las eine Passage daraus vor.





Gabriele Schneider: Schafe im Nebel, Borsdorf: 2011, ISBN 978-3-943048-13-1, € 12,90
(Signierte Exemplare -zuzügl. Porto- bei der Autorin)

Samstag, 12. Mai 2012

Dichterlesung

Kultur ist etwas Wunderbares. Ich finde ja, jeder sollte gelegentlich eine Lesung, ein Konzert, ein Theaterstück, ein Musical oder eine Ausstellung besuchen. Weil es Spaß macht, aber auch, weil es - ohne langwierige Kurse besuchen zu müssen - bildet.

Aber es gibt auch Tage, da steht einem der Sinn nach etwas völlig anderem als Kultur. Uns war gerade danach, Essen zu gehen. Uns in einer Kneipe gemütlich in die Sessel sinken und von freundlichen Kellnern bedienen zu lassen. Die Wahl fiel auf eines unserer Lieblingslokale.

Im Eingangsbereich herrschte Gedränge. Wir erfuhren, dass just an diesem unserem Essengeh-Abend eine Lyrik-Buchvorstellung stattfinden sollte. Nun ja, Lyrik war nicht wirklich das, was wir uns von diesem Abend versprochen hatten. Doch im hinteren Teil des Lokals könne man ungestört speisen, verriet uns eine Bedienung. Also ließen wir uns dort nieder.

Doch die Hoffnung, vom lesenden Poeten verschont zu sein, verpuffte im Nu. Seine Stimme war bis ins hinterste Kneipeneckchen zu vernehmen. Also freundeten wir uns notgedrungen mit unserem Schicksal an: Wir würden zum Essen Gedichte hören.

So furchtbar diese Vorstellung war, die Realität meinte es noch weniger gut mit uns. Mit monotoner Stimme trug der Dichter sich Reimendes vor. Kauen, kauen, kauen, lautete da die Devise, um nur nicht einzuschlafen.

Die Anforderungen, die an uns gestellt wurden, wurden indes bald noch härter. Der Reimeschmied hatte sich nämlich entschlossen, eine Kurzgeschichte vorzutragen. Was folgte, war einerseits fortgeschrittene Lesemonotonie - diesmal in ganzen Sätzen, dafür ohne Reime - andererseits eine Geschichte, deren völlig unerwartetes Ende bereits nach den beiden ersten Sätzen vorherzusehen war. Auch die Grammatik zählte beileibe nicht zu den Stärken des Lyrikers. Womöglich hatte er sich darum eher der Poesie verschrieben denn der Prosa.

Jetzt sollte sich ein Verslein über die Liebe anschließen. Da kann man nichts falsch machen, schoss es mir beruhigend durch den Kopf. Doch dieser Mann konnte.

„Ich habe mir vorhin Gedanken darüber gemacht, was die Liebe eigentlich ist“, verriet er.
Aha, dachte ich, erst ein Gedicht schreiben, dann über das Thema nachdenken.
„Deshalb habe ich in Wikipedia nachgesehen. Was dort steht, möchte ich Ihnen vor dem Gedicht vorlesen.“

Was Wikipedia oder der Dichter selbst von der Liebe halten, vermag ich nicht zu sagen.

Denn wir, wir verließen eilends und gänzlich unpoetisch das Lokal.
(2010)

Donnerstag, 10. Mai 2012

Die Sache mit Micke

Ich hatte mich sofort in Mickes Foto verliebt. Liebe auf den ersten Blick nennt man das wohl. Micke sah so gut aus, so kräftig und zugleich filigran, trug edle, sanfte Züge. Ich musste ihn einfach kennenlernen.

Zusammen mit einer Freundin fuhr ich los, dorthin, wo er angeblich zu finden war. Lange irrten wir durch das immens große Gebäude, fragten hier nach Micke und da nach Micke. Endlich gab uns jemand zumindest seine Nummer.

Als wir ihn dann endlich aufgestöbert hatten, packte mich blankes Entsetzen: Micke befand sich in äußerst desolatem Zustand. Nicht einmal stehen konnte er ohne Hilfe, es ging ihm so schlecht, dass mir fassungslos entfuhr:
 „Du bist ja wie in Deine Einzelteile zerfallen.“

Die Freundin half mir, Micke aus dem großen Gebäude herauszuholen. Wir schoben ihn auf die Rückbank des Autos, wo er die ganze Fahrt über schweigend mehr lag als saß.

Daheim konnte ich endlich das tun, wonach ich mich schon die ganze Zeit gesehnt hatte: Ich riss Micke nach allen Regeln der Kunst auf, zog ihn ohne lange zu fackeln einfach aus. Dann lag er vor mir.

Ich riet Micke ob seines desaströsen Gesamtzustandes, zunächst einmal das Unwesentliche vom Wesentlichen zu trennen, Altlasten und unnötigen Ballast loszuwerden. Fast symbolisch öffnete ich einen großen Müllsack, um das Ausgesonderte zu entsorgen. Schon das war harte Arbeit, doch nach einer kurzen Pause konnte ich damit beginnen, Micke aufzubauen. Denn er hatte ein Recht darauf, wie wir alle aufrecht zu stehen; dass er niemals würde gehen können, wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits.

Bei der Aufbauarbeit holte ich mir Rat aus Fachliteratur, so erfahren bin ich mit derlei Angelegenheiten schließlich nicht. Doch dann war es endlich, endlich geschafft: Micke stand vor mir, aufrecht und strahlend. Ich nahm einen Stuhl, setzte mich ganz dicht zu ihm und schaute ihn lange an und war selig. Gelegentlich streichelte ich zärtlich über seine glatte Haut.

Als ich nach einer kurzen, aber glücklichen Nacht neben Micke erwachte, dachte ich zufrieden seufzend: „Ja, der Schreibtisch Micke sieht wirklich ganz genau so aus wie im Ikea-Katalog.“